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Reiseblog

Gitaramuka, 06. März 2015

In Gitaramuka, einer Gemeinde im Norden Burundis, leben fast alle Menschen von der Landwirtschaft. Schon jetzt reicht die Ernte der viel zu kleinen Felder kaum für alle. Und mit jedem Jahr werden weniger Menschen satt. Denn alle zwanzig Jahre verdoppelt sich die Bevölkerung, das Wachstum liegt bei 3,2 Prozent. 

Nur ein paar Meter vom Gesundheitszentrum von Gitaramuka entfernt, liegt das „Lycee St. Augustin“ . Dort können Jugendliche und junge Erwachsene immerhin den ersten Schritt zu einem besseren Auskommen machen. In dem Gymnasium lernen 182 Männer und Frauen zwischen 17 und 25 Jahren. Die Schule ist ein Internat und wird von der Diözese betrieben. „Unsere Mittel sind aber knapp“, stellt Pater Samson Karabadumba fest, der Direktor des Gymnasiums. 95 Männer und 87 Frauen teilen sich jeweils einen Schlafsaal. Die Frauen müssen sich mit sechs Latrinen und sechs Duschen begnügen, bei den Männern sind es mit 10 Latrinen und 12 Duschen nur unwesentlich mehr. Zu essen gibt es nur zwei Mal täglich, weil der Staat, der dafür zuständig ist, nicht mehr Geld für Lebensmittel gibt.

Geweckt werden die Lernenden morgens um fünf, von 5:30 bis 7:00 sitzen sie zum ersten Mal in den hölzernen Schulbänken. Erst um 13:00 gibt es Mittagessen, und damit zum ersten Mal am Tag zu Essen oder zu Trinken. 

Ein hartes Leben. Trotzdem sind die Lernenden in ihren schwarz-weißen Schuluniformen für die Verhältnisse in Burundi extrem privilegiert.
Und: Sie können immerhin auf eine bessere Zukunft hoffen.


Gitaramuka, 05. März 2015

Das Köpfchen von Pacifique Irishura fällt immer wieder auf den Arm seiner Mutter, der kleine Junge kann ihn vor Schwäche selbst nicht mehr halten. Rosette Niriwomunda ist mit ihrem Sohn in die Sprechstunde des Gesundheitszentrums von Gitaramuka gekommen. Jeden Donnerstag werden Mütter mangelernährter Kinder beraten. „Seit anderthalb Wochen kann mein Sohn keine Nahrung bei sich behalten“, erzählt Niriwomunda. „Außerdem hustet Pacifique und hat Schmerzen im Rücken.“ In der vergangenen Woche war die 29-jährige Mutter mit ihrem Sohn schon einmal hier, da wurde Pacifique sogar stationär aufgenommen. „Aber nach drei Tagen müssen wir alle Patienten entweder ins Krankenhaus verlegen oder nach Hause entlassen“, berichtet Schwester Aphonse-Maria. Sie ist Oberin des Konvents, der das Zentrum betreibt. „So sind leider die staatlichen Vorschriften für ambulante Einrichtungen.“

Also nahm Niriwomunda ihren Sohn Pacifique anschließend wieder mit nach Hause, ausgestattet mit Zusatznahrung für die Zeit bis zum heutigen Beratungstermin. Die Schwestern des Ordens „Benebikira“ („Töchter der Jungfrau Maria“) geben den Müttern mangelernährter Kinder vor allem eine Aufbaunahrung namens „Plumpynut“ mit. Jetzt sind Niriwomundas Vorräte verbraucht, Pacifique geht es nicht viel besser, und die Mutter ist mit ihrem Sohn wieder da. „Häufig ist dreckiges Trinkwasser der Grund für die Durchfälle“, berichtet Ordensschwester Anne-Marie Nyihuru. Die examinierte Krankenschwester leitet das Ernährungsprogramm. „Hier in der Gemeinde gibt es kein sauberes Trinkwasser.“ Pacifique wird zwar noch gestillt, bekommt aber außerdem Wasser aus dem Brunnen zu trinken. Der kleine Junge wird also vermutlich noch häufiger Durchfall kriegen und nicht zum letzten Mal in der Sprechstunde sein. 

Dreckiges Trinkwasser ist in Gitaramuka nicht das einzige Problem. „Die Menschen haben einfach nicht genug zu essen“, sagt Schwester Anne-Marie. Dabei ist der Boden ausgesprochen fruchtbar, von Mais über Süßkartoffeln, Maniok, Bohnen und Früchten aller Art gibt es kaum etwas, was hier nicht gedeiht. Aber die Felder sind viel zu klein. Burundi ist so dicht besiedelt wie das Ruhrgebiet, jeder Zentimeter ist bepflanzt. Aber die Anbaufläche reicht nicht, um die Menschen satt zu machen. Trotzdem haben sie keine Alternative zum Leben als Bauer, es gibt landesweit kaum andere Jobs: 90 Prozent der Bevölkerung leben von der Landwirtschaft. Oder besser: sie überleben so gerade eben.


Gitaramuka, 04. März 2015

Sind jetzt in Gitaramuka und haben hier keine feste Netzverbindung über die per Mail eine Reisebericht versendbar wäre, daher hier einige Fotos:

Warten auf die Behandlung im Gesundheitszentrum von Gitaramuka
Charlotte, 4 Jahre alt und stark unterernährt

Gihanga, 03. März 2015

„Ich habe Angst“, sagt Immaculé Daisenga. Die 31-jährige Mutter von vier Kindern hat nach einer Fehlgeburt einen Abszess im Unterleib entwickelt. Jetzt sitzt sie wie gelähmt auf ihrem Bett im Krankenhaus von Gihanga. Der Abszess muss dringend operiert werden, sonst verläuft er voraussichtlich tödlich. Weil es im Krankenhaus der Ordensschwestern in Gihanga kein funktionierendes Narkosegerät gibt, kann der Eingriff nicht vor Ort vorgenommen werden, und Daisenga muss in ein Krankenhaus in Bujumbura verlegt werden. Immerhin gibt es dafür einen Krankenwagen, der von der Europäischen Union gespendet wurde. Damit könnte Daisenga die rund 25 Kilometer nach Bujumbura gebracht werden, um sich dort in einem Krankenhaus operieren zu lassen. „Aber ich kann mir die Operation nicht leisten“, sagt sie so leise, dass sie kaum zu verstehen ist. „Außerdem kann mein Mann mich nicht begleiten, denn dann wären unsere vier Kinder alleine zu Hause.“ 

Ihren Mann oder einen anderen Angehörigen braucht sie aber an ihrer Seite, weil die Patienten in den Krankenhäusern des Landes weder Nahrung bekommen, noch gewaschen oder gepflegt werden. Bei den Behandlungskosten geht es um umgerechnet etwa 150,- Euro, schätzt Schwester Rose Ndayishimiye. Sie ist Buchhalterin im Krankenhaus von Gihanga. Die Operation würde also deutlich mehr kosten, als das halbe durchschnittliche Jahreseinkommen in Burundi beträgt. Und selbst von diesem Durchschnittseinkommen sind Immaculé Daisenga und ihre Familie weit entfernt. Ihr eigenes Feld ist zu klein, um alle zu ernähren. Der Mann arbeitet deshalb so oft es geht als Tagelöhner auf den Feldern anderer Bauern. Dafür wird er meist mit einem Anteil an der Ernte bezahlt. Bargeld hat die Familie nur selten in der Hand.

Den Nachmittag über sieht es so aus, als müsste sich Daisenga in ihr Schicksal ergeben. Dann findet die Oberin des Konvents von Gihanga doch noch einen Weg, für die Behandlung in Bujumbura aufzukommen – eine große Ausnahme, die sich der Orden und das von ihm geführte Krankenhaus nicht bei jedem Fall leisten können. Wenig später wird auch eine Lösung für das Problem der Verpflegung gefunden: die Kinder werden zur Großmutter gebracht, und Immaculés Ehemann kann die Kranke nach Bujumbura begleiten. 

Weil der Abszess offensichtlich sehr schmerzhaft ist, sieht man Immaculé Daisenga ihre Freude über ihre erneute Chance auf Leben nicht an, als sie am späten Nachmittag in den Krankenwagen steigt. Sie ist ganz still und bewegt sich nur langsam. Für die Operation wird es höchste Zeit, und vielleicht hat Immaculé keine Energie mehr übrig, um sich zu freuen.


Gihanga, 02. März 2015

Janine Kamikasi ist stolz, dass sie wieder Bananen pellen und Maniok-Knollen schälen kann. Die 61-jährige Burunderin war fast drei Jahre lang halbseitig gelähmt. „Auch mit meiner rechten Hand konnte ich nichts machen“, erzählt sie. „Ich war bettlägerig und pflegebedürftig.“ Jetzt kann sie ihre rechte Hand wieder eingeschränkt benutzen und an einem Stock selbstständig gehen. Das verdankt sie den regelmäßigen Bewegungsübungen, die Schwestern des Neusser Partnerordens Bene-Umukama („Die Dienerinnen des Herrn“) mit ihr machen. Kamikasi lebt in dem Altenheim der Ordensschwestern in Gihanga. Hier wohnen 42 alte oder behinderte Menschen, die meisten davon sind Frauen. 

Das Heim ist nur eins von dreien in ganz Burundi, entsprechend lang ist die Warteliste: „21 weitere Menschen haben um Aufnahme gebeten“, erzählt Oberin Marie-Fréderice Niyonizigiye, „aber so leid uns das tut – zur Zeit können wir beim besten Willen nichts für sie tun.“ Zwar hat das Heim noch drei unbenutzte Säle, „aber wir haben nicht genug Geld, um noch mehr Menschen versorgen zu können.“ 

Diejenigen, die hier Unterkunft fanden, haben entweder keine Familien mehr oder wurden verstoßen. Einige, weil ihre Familien wirtschaftlich mit der Fürsorge für einen schwachen Menschen überfordert waren. Viele Frauen aber auch einfach deshalb, weil sie unfruchtbar sind. 

Janine Kamikasis Geschichte ist nicht ungewöhnlich. Sie blieb kinderlos, wurde aber an einen Witwer mit acht Kindern verheiratet. Vor drei Jahren verstarb ihr Mann überraschend. Als sie von seinem Tod erfuhr, brach Kamikasi zusammen und war anschließend halbseitig gelähmt. „Ich wurde im Krankenhaus behandelt“, erzählt sie. „Als ich nach Hause entlassen wurde, nahm mich eine der Töchter meines verstorbenen Mannes widerwillig mit nach Hause.“ Dort aber kümmerte sich kaum jemand um sie. „Morgens gingen alle aus dem Haus. Bis zum Abend blieb ich ohne zu trinken und zu essen alleine.“ Manchmal seien vier Tage vergangen, bis sie wieder gewaschen wurde. Und alleine auf Toilette gehen konnte sie auch nicht. Nach etwa einem Jahr begriff ein Besucher der Familie ihre Situation und wandte sich an die Ordensschwestern. „Ich bin froh, dass wir für sie noch Platz hatten“, sagt Niyonizigiye. 

Kamikasi freut sich natürlich darüber, dass sie wieder regelmäßig zu Essen bekommt und gewaschen wird. Am glücklichsten ist sie aber darüber, dass sie selbst wieder mithelfen kann. Zum Beispiel bei der Zubereitung der gemeinsamen Mahlzeiten.


Gihanga, 28. Februar 2015

Dr. Bukuru Vianney hat einen Traum: Der 32-jährige Allgemeinmediziner möchte gerne Facharzt für Frauenheilkunde werden. „Aber hier in Burundi habe ich dazu nicht die Möglichkeit.“ Dr. Vianney ist ärztlicher Direktor des Krankenhauses St. Augustin in Gihanga. Ein junger und wissbegieriger Arzt, der seinen Beruf mit erkennbarer Leidenschaft ausübt. Zur Begründung für sein berufliches Ziel sagt er: „Als Gynäkologe kann man Leben retten und Leben schenken. Und fast immer wird man für seine Arbeit mit der Freude der Menschen belohnt“. 

Dank mehrerer Fortbildungskurse beherrscht er Kaiserschnitte, aber mehr kann er hier vor Ort im Operationssaal nicht machen. Schon deshalb nicht, weil das Krankenhaus kein funktionierendes Narkosegerät hat. Größere Operationen sind deshalb unmöglich. „Ich finde das sehr frustrierend“, sagt Dr. Vianney. „Und ich bin nicht der einzige. In Burundi gibt es viele intelligente und gute Nachwuchsmediziner, die keine Entwicklungsmöglichkeit haben. Mit mehr Weiterbildung könnten wir der Bevölkerung viel besser helfen.“ Im Gespräch mit Paul Neuhäuser, dem Geschäftsführer der Neusser St. Augustinus-Kliniken, fragt der burundische Mediziner nach Möglichkeit der Fortbildung durch deutsche Ärztinnen und Ärzte.

„Wir sind ja hier, um eine solche Zusammenarbeit in der Ausbildung auf die Beine zu stellen“, versichert Neuhäuser dem Arzt. „Wir wollen während unseres Besuchs erfahren, was in dieser Richtung nötig und möglich wäre.“ Oberärztin Dr. Margarete Albiez vom Johanna-Etienne-Krankenhaus ist bereits Teil der jetzigen Delegation, um sich über den Wissensstand und Bedarf der Kolleginnen und Kollegen vor Ort zu informieren. Aber auch über Weiterbildungen in anderen Fachrichtungen als der Frauenheilkunde denken die Neusser Augustinerinnen nach. 

Wenig später hat Dr. Albiez die Möglichkeit, im Kreissaal zwei Geburten mitzuerleben, die Kinder kommen kurz hintereinander und praktisch nebeneinander zur Welt. Denn die Gebärenden liegen, durch Holzwände voneinander getrennt, innerhalb eines Kreissaales nebeneinander. Die Herztöne der Kinder werden hier noch mit dem Hörrohr und einer Uhr gezählt. In Deutschland macht das schon seit Jahrzehnten ein CTG, ein Cardiotypogramm. In Gihanga sitzen Krankenschwestern an den Kreisbetten und überwachen die Geburten, nur im Notfall kommt ein Arzt dazu. 

„Vieles würde man bei uns anders machen“, stellt Dr. Albiez nach den zwei glücklichen Geburten fest. „Aber hier im Krankenhaus ist im ganzen letzten Jahr nicht eine einzige Mutter bei der Geburt gestorben.“ Darauf kann Dr. Vianney stolz sein. Leider kamen 16 Kinder tot zur Welt. Zum einen, weil die Mütter hier oft zu spät ins Krankenhaus kommen. Zum anderen, weil man Frühgeburten nicht optimal versorgen kann.


Gihanga, 27. Februar 2015

„Ich hätte nie gedacht, dass ich hier noch mal herkommen kann“, sagt Schwester Beatrice, als sie im Konvent von Gihanga aus dem Auto steigt. Jetzt lösen sich ihre Anspannung und ihre Freude über das Wiedersehen ihrer Schwestern in Lachen und Umarmungen auf. Vor rund vier Jahren, am 10. August 2011, wurden Schwester Beatrice und einige weitere Schwestern und Brüder auf dem Rückweg von Bujumbura kurz vor Gihanga überfallen. Bis jetzt hatte sie nicht den Mut, am Ort des Überfalls noch mal vorbeizufahren. Damals eröffneten „mehr als 30 Bewaffnete das Feuer“, erzählt Schwester Beatrice. Sie und eine weitere Schwester wurden lebensgefährlich verletzt, Beatrice von mehren Kugeln getroffen. Ihr rechter Fuß hing nur noch an einer Sehne, der Blutverlust war dramatisch. Sie selbst gab sich keine Überlebenschancen mehr, überstand ihre dramatische Evakuierung zur medizinischen Behandlung in Neuss dann aber doch. Die St. Augustinus-Kliniken hatten zugestimmt, die Schwerstverletzte zu behandeln. Viele Neusser spendeten für ihre langwierige Behandlung. Jetzt, am Tag des Wiedersehens nach so vielen Jahren, macht das Staunen und die Freude ihrer Schwestern in Gihanga noch einmal deutlich, wie wenig Hoffnung es vor vier Jahren für Schwester Beatrice nur noch zu geben schien.

Am Tag der Rückkehr führt sie nach der Begrüßung der erste Weg in das Krankenhaus von Gihanga. Auf Schwester Beatrice’ Initiative hin wurde 2009 ein Gesundheitszentrum zum Krankenhaus ausgebaut und ein Jahr später eingeweiht. Nach dem Überfall und ihrer Evakuierung nach Deutschland ging die Arbeit im Krankenhaus weiter. „Die Krankenschwestern und Ärzte machen mit den beschränkten Möglichkeiten, die ihnen zur Verfügung stehen, eine wirklich gute Arbeit“, stellt Dr. Margarete Albiez fest, Oberärztin für Gynäkologie am Johanna-Etienne-Krankenhaus in Neuss. Sie ist Teil der Delegation, die im Auftrag der Neusser Augustinerinnen nach Burundi gekommen ist, um den Bedarf des Neusser Partnerordens Bene-Umukama („Die Dienerinnen des Herrn“) zu evaluieren. Der Besuch des Krankenhauses von Gihanga ist eine von mehreren Stationen. Die lange bestehende Partnerschaft zwischen den beiden Orden soll wieder ausgebaut werden. Schwester Beatrice wird zwar länger bleiben als der Rest der Delegation, aber in ein paar Wochen wird auch sie wieder nach Deutschland fliegen.


Bujumbura, 26. Februar 2015

Es kommt uns am Abend nach der Ankunft vor, als hätten wir schon halb Bujumbura gesehen, aber tatsächlich fangen wir gerade erst an - nach einem unglaublich herzlichen Empfang am Flughafen und im Mutterhaus des Ordens Bene-Umukama („Die Dienerinnen des Herrn“), inklusive Tanz, Gesang und reicher Bewirtung. 

Unter den vielen Begegnungen des ersten Tages bleibt eine besonders in Erinnerung: Marie-Rose Namihungo, 95 Jahre alt, Bewohnerin des Altenheimes „Hospice Saint Elisabeth“, einem der vielen sozialen Projektes des Ordens. 

Marie-Rose Namihungo ist alleinstehend, weil elf ihrer zwölf Kinder längst gestorben sind. Zwei von ihnen wurden bei den politischen Unruhen 1993 ermordet, am gleichen Tag wie ihr Mann. „Die Täter haben dann auch noch
unsere Hütte angezündet und die Ziegen gestohlen“, erzählt Namihungo
sachlich. Anschließend floh sie die 200 Kilometer aus ihrem Dorf in die
Hauptstadt Bujumbura. Geblieben war ihr nichts als die Kleidung, die sie trug. 

In Bujumbura lebte sie kurz auf der Straße, damals immerhin schon 73 Jahre alt. Im Heim des Ordens bekam sie schließlich das letzte freie Bett. Zu ihrem einzigen überlegenden Sohn hat sie keinen Kontakt. Namihungo ist nach ihren vielen Verlusten ohne Bitterkeit. „Ich vermisse nichts von dem, was verloren ist. Heute ist heute, hier im Heim fühle ich mich wohl.“

Etwas belastet sie aber doch: dass sie mit ihren 95 Jahren nicht mehr zum eigenen Unterhalt und dem der anderen 49 Heimbewohner beitragen kann. „Wir konsumieren nur noch, wir produzieren nichts mehr. Ich sehe, wie hart die Schwestern arbeiten, um für uns alle genug Geld zu verdienen. Trotzdem wissen wir nie, ob wir auch am nächsten Tag wieder genug zu Essen haben.“ Wenn sie sich etwas wünschen könnte, dann wäre das ein Konto oder ein Fonds, der die Finanzen des Zentrums auf eine sichere Grundlage stellt.